Chagall Marc – „Weiße Kreuzigung“

Im Jahr 1938 war Marc Chagall, der aus einer jüdischen Familie stammte und als Kind eine häusliche Ausbildung (Studium des Talmud, der Tora und des Hebräischen) erhielt, schockiert über Berichte über Kristallnacht, ein massives jüdisches Pogrom in Deutschland. Beeindruckt von diesem Ereignis malt der Künstler „Die weiße Kreuzigung“ – dies ist das erste Gemälde von Marc Chagall, in dem er das Bild Jesu als Symbol für das Leiden des gesamten jüdischen Volkes verwendet. In der Folge kehrte der Maler wiederholt zu diesem Thema zurück, obwohl Jesus in der jüdischen religiösen Tradition nicht als Erlöser gilt.

Das Gemälde von Marc Chagall „Die weiße Kreuzigung“ zeigt die Verfolgung des jüdischen Volkes, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts überall stattfand. Geplünderte Häuser brennen in Flammen, Menschen weinen über die Leichen toter Verwandter, heilige Schriftrollen liegen auf dem Boden – all dies geschieht um die Figur des gekreuzigten Jesus, der den zentralen Teil der Leinwand einnimmt.

Der Künstler porträtierte ihn nicht wie es unter katholischen und orthodoxen Ikonenmalern üblich war, sondern als gläubigen Juden. Er trägt die zum Gebet bestimmte Kleidung – eine weiße Geschichte mit schwarzen Streifen. Anstelle einer Dornenkrone hat Jesus einen weißen Verband auf dem Kopf. Das weiße Kruzifix, auf dem sich Jesus befindet, besteht aus einer Lichtstange und einer Lichtsäule, die aus dem Himmel strömt – so sieht die Überwindung des Todes in der Interpretation von Marc Chagall aus – sein Bild scheint dem Betrachter zu sagen: Es ist unmöglich, die Hoffnung zu zerstören. Das himmlische Licht symbolisiert Gott, dessen Gesicht nach jüdischem Glauben nicht dargestellt werden kann.

Die stilisierte Figur eines Kreuzes, eine Inschrift in Form der Buchstaben INRI und ein Heiligenschein sind auf Chagalls Leinwand mit der christlichen Tradition des Erretters verbunden. Über dem gekreuzigten Märtyrer stehen die Gestalten der Vorfahren: Die Gesichter Abrahams, Jakobs und Isaaks drücken Verzweiflung und Entsetzen aus. Im unteren Teil des Bildes stellte der Künstler gewöhnliche Menschen dar: eine Mutter, die ihr Kind umarmt und nicht weiß, wohin sie rennen soll, einen Mann mit einer Plakette auf der Brust (zuerst machte Chagall die Inschrift „Ich bin ein Jude“ auf Jiddisch, aber später übermalte sie). Ein großes Boot, in dem Menschen sitzen und die Hände dazu heben, schickt den Betrachter zum Bild der Arche und schenkt die Hoffnung auf Erlösung.

Marc Chagalls Gemälde „Die weiße Kreuzigung“ ist Teil der Ausstellung im Institute of Arts in Chicago – es wurde dem Institut von Alfred Alshuler gestiftet. Diese mit starken Emotionen gesättigte Arbeit wurde von Papst Franziskus hoch geschätzt.

Jahr der Malerei: 1938.

Maße des Gemäldes: 155 x 140 cm.

Material: Leinwand.

Schreibtechnik: Öl.

Genre: religiöse Malerei.

Stil: Primitivismus.

Galerie: Art Institute of Chicago, Chicago, USA.

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