Chagall Marc – „Der Weg“

Marc Chagall gilt zu Recht als Begründer der Avantgarde-Bewegung in der Malerei des 20. Jahrhunderts. Ein besonderer Blick auf einfache Dinge und eine originelle Art, dem Betrachter seine Gedanken und Ideen zu vermitteln, machten den Künstler zu einem wirklich einzigartigen Phänomen in der Weltkultur. Einen besonderen Platz in der Arbeit von Marc Chagall nimmt das bekannte Gemälde „Walk“ ein, das nach Ansicht vieler Forscher der Künstler selbst und seine Frau darauf abgebildet hat.

Ein unerfahrener Betrachter, der ein Bild betrachtet, kann die Frage stellen: Warum schweben die vom Künstler porträtierten Menschen über der Stadt und gehen nicht wie alle normalen Einwohner der Stadt auf dem Boden? Die Antwort ist einfach: Die Hauptkraft auf dem Bild ist die Liebe. Sie ist es, die ein verliebtes Paar inspiriert und sie über die Erde schweben lässt.

Es ist zu sehen, dass die beiden in Chagalls Gemälde „The Walk“ dargestellten Personen – ein Mann und eine Frau – glücklich sind, in der Gesellschaft des anderen zu sein. Gegenseitige Liebe ist das Schönste, was ihnen passieren kann. Und dieses Gefühl verwandelt einen gewöhnlichen Spaziergang in ein unvergessliches Abenteuer, bei dem Sie mit Ihrem geliebten Menschen und Ihrem Seelenverwandten über die Straßen und Häuser fliegen.

Die kompositorische Absicht ist nicht so einfach, wie es scheinen mag. Bei sorgfältiger Untersuchung der Leinwand fällt auf, dass zwei Kräfte auf dem dichteren vorhanden sind: Eine davon ist die Erde, auf der ein Mann geht, die andere ist der Himmel, in dem eine Frau schwebt. Damit wollte der Künstler sagen, dass Liebe unabhängig von Entfernung und Ort inspirieren kann. Verliebte Menschen sind in der Lage, vor allem weltliche Sorgen und Sorgen zu haben.

Der Künstler zeigte dem Betrachter, dass Liebe Liebhaber über die Stadt, über die ganze Welt inspiriert und erhebt. Die Gesichter der Figuren auf dem Bild strahlen Glück und Freude aus, und sie sehen nur das Schöne, nur das Erhabene um sich herum, da sie die Gesetze der Schwerkraft mit Hilfe der Liebe überwinden und himmlische Schwerelosigkeit erreichen konnten.

Jahr der Malerei: 1918.

Abmessungen des Gemäldes: 169,6 x 163,4 cm.

Material: Leinwand.

Schreibtechnik: Öl.

Genre: Genremalerei.

Stil: Kubismus.

Galerie: Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg, Russland.

Chagall Marc – „Ich und das Dorf“

Chagall malte das Gemälde „Ich und mein Dorf“ in Paris. Die Darstellung basiert auf Spiegelung. Rechts sehen wir das Profil des Künstlers selbst, im Gegenteil das Profil eines Kuhgesichtes. Die Künstlerin gibt ihr einen Strauß Zweige und Blumen, der als Baum des Lebens interpretiert wird. Im oberen Teil des Bildes sind diese Spiegelprofile wie eine Brücke durch das Bild von Vitebsk verbunden.

Chagall und die Kuh schauen genau hin und „schnüffeln“ sich gegenseitig. Eine interessante Nistpuppenmethode ermöglichte es dem Künstler, eine separate Szene mit einer Milchmagd und einer Kuh im Kopf des Tieres darzustellen. In der Mitte sehen wir einen Kreis, der alle Elemente zu einem Ganzen verbindet und den Lebenszyklus symbolisiert. Um diesen Kreis herum entfalten sich die Ereignisse des Bildes: die Häuser von Witebsk, einschließlich derer, die auf ihren eigenen Dächern stehen, eine Milchmagd mit einer Kuh, eine umgestürzte Frau und ein Mann mit einer Sense, die sie einholen. In der leichten, umgekehrten Figur einer Frau wird Stärke gefühlt, sie wird als Symbol der Fruchtbarkeit interpretiert. Sie scheint vor einem Mann mit einer Sense in dunklen Farben davonzulaufen. Ist das ein Hinweis auf die alte Frau mit der Sense? Dieses Streben erzeugt jedoch kein Gefühl der Bedrohung, es sieht aus wie ein natürlicher Teil des Kreises, ein natürlicher Teil des Lebens. Das Gemälde zeigt voll und ganz die für Chagall charakteristische Fähigkeit, Alltägliches und Übernatürliches zu verbinden.

Echos des Fauvismus sind in dem Gemälde „Ich und das Land“ zu spüren – die Gesetze der Perspektive werden als unnötig verschrottet, und die Dimensionen befassen sich nicht mit der Entsprechung zur Realität, dem Kubismus – der Aufteilung in Sektoren, der Zersetzung, dem Impressionismus – dem nicht standardmäßigen Gebrauch von Farbe. Gleichzeitig ist das Bild maximal mit Symbolen gesättigt: Zeichen (Sense, Kirche, Baum des Lebens), Form (Kreis, Matroschka). Viele Forscher definieren sein Genre als „alltägliche Symbolik“. Es wäre jedoch richtiger zu sagen, dass das Bild durch die Wiederholung verschiedener Malrichtungen immer noch über eine von ihnen hinausgeht. Chagall gelang es, sein Ziel zu verwirklichen, „nicht wie jemand zu sein, seinen eigenen Weg zu finden“.

Jahr der Malerei: 1911.

Abmessungen des Gemäldes: 191 x 150,5 cm.

Material: Leinwand.

Schreibtechnik: Öl.

Genre: symbolische Malerei.

Stil: Kubismus.

Galerie: Museum of Modern Art, New York, USA.

Chagall Marc – „Weiße Kreuzigung“

Im Jahr 1938 war Marc Chagall, der aus einer jüdischen Familie stammte und als Kind eine häusliche Ausbildung (Studium des Talmud, der Tora und des Hebräischen) erhielt, schockiert über Berichte über Kristallnacht, ein massives jüdisches Pogrom in Deutschland. Beeindruckt von diesem Ereignis malt der Künstler „Die weiße Kreuzigung“ – dies ist das erste Gemälde von Marc Chagall, in dem er das Bild Jesu als Symbol für das Leiden des gesamten jüdischen Volkes verwendet. In der Folge kehrte der Maler wiederholt zu diesem Thema zurück, obwohl Jesus in der jüdischen religiösen Tradition nicht als Erlöser gilt.

Das Gemälde von Marc Chagall „Die weiße Kreuzigung“ zeigt die Verfolgung des jüdischen Volkes, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts überall stattfand. Geplünderte Häuser brennen in Flammen, Menschen weinen über die Leichen toter Verwandter, heilige Schriftrollen liegen auf dem Boden – all dies geschieht um die Figur des gekreuzigten Jesus, der den zentralen Teil der Leinwand einnimmt.

Der Künstler porträtierte ihn nicht wie es unter katholischen und orthodoxen Ikonenmalern üblich war, sondern als gläubigen Juden. Er trägt die zum Gebet bestimmte Kleidung – eine weiße Geschichte mit schwarzen Streifen. Anstelle einer Dornenkrone hat Jesus einen weißen Verband auf dem Kopf. Das weiße Kruzifix, auf dem sich Jesus befindet, besteht aus einer Lichtstange und einer Lichtsäule, die aus dem Himmel strömt – so sieht die Überwindung des Todes in der Interpretation von Marc Chagall aus – sein Bild scheint dem Betrachter zu sagen: Es ist unmöglich, die Hoffnung zu zerstören. Das himmlische Licht symbolisiert Gott, dessen Gesicht nach jüdischem Glauben nicht dargestellt werden kann.

Die stilisierte Figur eines Kreuzes, eine Inschrift in Form der Buchstaben INRI und ein Heiligenschein sind auf Chagalls Leinwand mit der christlichen Tradition des Erretters verbunden. Über dem gekreuzigten Märtyrer stehen die Gestalten der Vorfahren: Die Gesichter Abrahams, Jakobs und Isaaks drücken Verzweiflung und Entsetzen aus. Im unteren Teil des Bildes stellte der Künstler gewöhnliche Menschen dar: eine Mutter, die ihr Kind umarmt und nicht weiß, wohin sie rennen soll, einen Mann mit einer Plakette auf der Brust (zuerst machte Chagall die Inschrift „Ich bin ein Jude“ auf Jiddisch, aber später übermalte sie). Ein großes Boot, in dem Menschen sitzen und die Hände dazu heben, schickt den Betrachter zum Bild der Arche und schenkt die Hoffnung auf Erlösung.

Marc Chagalls Gemälde „Die weiße Kreuzigung“ ist Teil der Ausstellung im Institute of Arts in Chicago – es wurde dem Institut von Alfred Alshuler gestiftet. Diese mit starken Emotionen gesättigte Arbeit wurde von Papst Franziskus hoch geschätzt.

Jahr der Malerei: 1938.

Maße des Gemäldes: 155 x 140 cm.

Material: Leinwand.

Schreibtechnik: Öl.

Genre: religiöse Malerei.

Stil: Primitivismus.

Galerie: Art Institute of Chicago, Chicago, USA.